{"id":58,"date":"2021-03-28T14:26:21","date_gmt":"2021-03-28T14:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/kits.themecy.com\/events\/?p=58"},"modified":"2025-07-30T16:09:08","modified_gmt":"2025-07-30T14:09:08","slug":"5-stages-of-team-development-what-you-need-to-know","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/f-solution.eu\/en\/5-stages-of-team-development-what-you-need-to-know\/","title":{"rendered":"Neokolonialismus in Mexiko: Indigene AktivistInnen bringen ihren Kampf nach Europa"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist fr\u00fcher Morgen am 20. Februar 2019 im kleinen mexikanischen Dorf Amilcingo, Morelos, als der Umweltaktivist und Journalist Samir Flores Soberanes vor seinem Haus mit vier Kugeln erschossen wird. Der 36-j\u00e4hrige Nahua-Indigene war an vorderster Front gegen den Bau und die Inbetriebnahme eines von spanischen Investoren vorangetriebenen thermoelektrischen Kraftwerks und eine Gaspipeline aktiv. Seine Geschichte ist eine von vielen, welche eine Delegation aus indigenen zivilgesellschaftlichen Gruppen nach Europa bringen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Megaprojekt Integral Morelos<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die nationale Energiekommission Mexikos CFE plante seit 2009 das Gro\u00dfprojekt Integral Morelos. Es sollen in seiner Endausbaustufe zwei W\u00e4rmekraftwerke und eine Pipeline entstehen. Die damalige Regierung mit Pr\u00e4sident Enrique Pe\u00f1a Nieto trieb das Projekt voran. Unter den lokalen Bauern im Umland von Huexca, meist indigener Herkunft, machte sich bald Widerstand breit.&nbsp; Aufgrund mehrerer Studien ist eine Abnahme der Wassermenge und -qualit\u00e4t jenes Flusses zu erwarten, welche die lokale die Bauern zur Bew\u00e4sserung ihrer Felder dringend ben\u00f6tigen. Dieses Wasser wollen die Investoren zur K\u00fchlung ihres Kraftwerkes abzweigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-1-300x200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20877\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Au\u00dferdem bringt das Projekt weitere Umweltgefahren mit sich. So soll das Kraftwerk durch aus den USA importiertes Fracking-\u00d6l betrieben werden, welches durch die Pipeline nahe am aktiven Vulkan Popocatepetl transportiert werden soll. Abgesehen davon werden die Turbinen des Kraftwerkes eine unzumutbare L\u00e4rmbelastung f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung mit sich bringen. Trotz dieser Bedenken wurde mit dem Bau der Anlage begonnen ohne die lokale Bev\u00f6lkerung miteinzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Widerstand jener, die sich die VerteidigerInnen des Landes und des Wassers (Frente de Pueblos en Defensa del Agua y la Tierra de Morelos, Tlaxcala y Puebla) nennen, lie\u00df nicht lange auf sich warten. Mit Informationskampagnen und Blockaden haben sie auf ihre Situation aufmerksam gemacht und haben versucht den Bau zu behindern. Deswegen wurden sie beschimpft, bedroht und gefoltert. Unterst\u00fctzung hingegen erhielten die AktivistInnen damals vom Oppositionsf\u00fchrer und heutigen Pr\u00e4sidenten des Landes, Andr\u00e9s Manuel L\u00f3pez Obrador (AMLO). Im Jahr 2014 versicherte er Kleinbauern und -b\u00e4uerInnen, dass er das W\u00e4rmekraftwerk stilllegen werde, sobald er an der Macht sei. Im Jahr 2018 wurde er dann tats\u00e4chlich, auch durch Unterst\u00fctzung vieler indigener Gruppen, zum Pr\u00e4sidenten des Landes gew\u00e4hlt. Bei seiner Amtseinf\u00fchrung war AMLO noch vor indigenen AktivistInnen auf die Knie gegangen um seinen Respekt zu zollen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald er an der Macht war, war es aber mit seiner Unterst\u00fctzung f\u00fcr die indigene Bev\u00f6lkerung vorbei. Er erkl\u00e4rte das Projekt zur nationalen Priorit\u00e4t f\u00fcr die Stromversorgung, beschimpfte die Widerst\u00e4ndigen bei einer Rede in Morelos als \u201eradikale Linke und Konservative\u201c und bot eine Abstimmung an, die den Konflikt nur verst\u00e4rkte. Der ganze Bundesstaat wurde befragt und f\u00fcr eine Zustimmung sollte es g\u00fcnstige Strompreise f\u00fcr alle geben. Dies verst\u00e4rkte die Repressionen gegen die AktivistInnen zus\u00e4tzlich.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-2-300x201.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20878\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Einer der Widerst\u00e4ndigen und K\u00e4mpfer f\u00fcr das Wasser und das Land war Samir Flores Soberanes. Er produzierte eine Radiosendung und k\u00e4mpfte seit seiner Jugend f\u00fcr die Rechte der Landbev\u00f6lkerung und an vorderster Front gegen die Inbetriebnahme des Kraftwerkes. Drei Tage vor der Abstimmung, am 20. Februar 2019, klopfte es fr\u00fch morgens an die T\u00fcre seines Heimathauses. Als Samir \u00f6ffnete, wurde er brutal durch vier Kugeln aus einer Feuerwaffe ermordet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Jahre sind seit der Ermordung nun vergangen. Zwar bedauerte AMLO den \u201eschrecklichen Mord\u201c, doch gibt bis heute keine Angeklagten und keine Verd\u00e4chtigen. Der Kampf um das Kraftwerk geht unterdessen weiter. Die Regierung hat inzwischen einen Testbetrieb unternommen. Die Bef\u00fcrchtungen der AktivistInnen hatten sich bewahrheitet, der Wasserstand des Flusses war merkbar gesunken. Die B\u00e4uerInnen blieben buchst\u00e4blich auf dem Trockenen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Jahr wird am Tag von Samirs Ermordung mit Aktionen und Demonstrationen auf die Situation der indigenen Landbev\u00f6lkerung aufmerksam gemacht. Dieses Jahr gab es eine dreit\u00e4gige Veranstaltung im Dorf Amilcingo und am Kraftwerk in Huexca. Die AktivistInnen machten in ihren Redebetr\u00e4gen auf die globalen Verflechtungen ihrer K\u00e4mpfe aufmerksam. Hinter dem Projekt stehen Gewinninteressen von Investoren aus Europa und Mexiko.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Gesichter des Kapitals im Neokolonialismus<\/strong><\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-3-300x199.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20879\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Ereignisse von Morelos sind kein Einzelfall, allein in Mexiko wurden im Jahr 2020 8 UmweltaktivistInnen und 11 JournalistInnen ermordet. Jene, die versuchen auf die Verdr\u00e4ngung lokaler Landwirtschaft und Ausbeutung nat\u00fcrlicher Ressourcen aufmerksam zu machen, geraten ins Visier ihrer m\u00e4chtigen Feinde. Ein Verbund aus korrupten Politikern, multinationalen Konzernen und ihren bezahlten Paramilit\u00e4rs versuchen mit allen Mitteln die Interessen der Investoren durchzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem Ende des Kolonialismus wird die Politik der Ausbeutung von \u00f6konomisch \u00e4rmeren L\u00e4ndern mit Hilfe von Krediten mit hohen Zinszahlung weiter vorangetrieben. Entscheidende Rollen spielen in diesem Zusammenhang der Internationale W\u00e4hrungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation, in denen die Machtverh\u00e4ltnisse wirtschaftlich arme L\u00e4nder zur Passivit\u00e4t und Abh\u00e4ngigkeit zwingen.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-4.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-4-300x201.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20880\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die erzwungenen \u00d6ffnungen f\u00fcr den Weltmarkt und Privatisierungen bedeuten einen massiven Eingriff in die sozio-\u00f6konomischen Strukturen des jeweiligen Staates und zeigen sich am Beispiel des Gro\u00dfprojekts Integral Morelos. Die am Kraftwerksprojekt beteiligten Unternehmen, wie die spanischen Firmen Abengoa, Elencor und Enagas sowie das italienische Unternehmen Bonatti sind neben dem reichsten Mexikaner, Carlos Slim, die Akteure und Profiteure hinter der Ausbeutung. Das Ungleichgewicht in den Beziehungen und seine Folgen wird durch die betroffenen L\u00e4nder und deren Bev\u00f6lkerung als strukturelle Gewalt wahrgenommen und gilt in geopolitischen Zusammenh\u00e4ngen als Neokolonialismus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die VerteidigerInnen des Wassers und Landes gehen auf Weltreise<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Doch so alt wie die Ausbeutung ist auch der Widerstand der meist indigenen Landbev\u00f6lkerung. Im S\u00fcden Mexikos kam es 1994 nach dem Inkrafttreten des Handelsabkommen NAFTA zu Aufst\u00e4nden der Zapatistischen Armee der nationalen Befreiung (EZLN). Der Aufstand der ZapatistInnen richtet sich vor allem gegen die Ausbeutung, den Rassismus und die Marginalisierung der indigenen und l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung. Nach einer zweiw\u00f6chigen milit\u00e4rischen Auseinandersetzung mit der Armee folgte eine lange Phase von Verhandlungen, die ohne befriedigendes Ergebnis blieb. Die ZapatistInnen verst\u00e4rkten daraufhin ihre Selbstorganisierung und entwickelten eigene, basisdemokratische Verwaltungsstrukturen.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-5.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.unsere-zeitung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/mexiko-5-300x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20881\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Heute verwirklichen autonome Gemeinden, Landkreise und die \u201eR\u00e4te der guten Regierung\u201c eine weitgehende Autonomie. Zum 500. Jahr der Conquista plant eine Delegation aus Compa\u00f1er@s der Ej\u00e9rcito Zapatista de Liberaci\u00f3n Nacional (EZLN), des Congreso Nacional Ind\u00edgena (CNI) und der Frente de Pueblos en Defensa del Agua y la Tierra de Morelos, Tlaxcala y Puebla (FPDTA-MPT) von Juli bis Oktober 2021 das andere Europa, jenes von unten und links, zu besuchen. Diese Reise steht aber auch im Zeichen einer globalen Pandemie und ihren noch unkalkulierbaren Auswirkungen f\u00fcr die ganze Welt und deren \u00f6konomischen System.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das Weltwirtschaftsforum und der Internationale W\u00e4hrungsfond nun vom \u201eGreat Reset\u201c der Weltwirtschaft sprechen, muss das Blut in den Adern jener AktivistInnen gefrieren, die sich f\u00fcr ein gutes Leben f\u00fcr alle einsetzen. Zweifellos braucht diese Welt einen Neustart in der Art und Weise wie wir als Menschheit mit unseren nat\u00fcrlichen Ressourcen, der Natur, umgehen und wie wir miteinander Handeln, also Wirtschaften. Diese Ver\u00e4nderung kann jedoch nicht von Oben, von jenen Profiteuren kommen, die f\u00fcr diese Welt, die am Rande des Kollapses steht, verantwortlich sind. Eine Welt der vielen Welten, frei von der unmenschlichen Logik des bedingungslosen Gewinnstrebens und des Kapitalismus und neokolonialen Ausbeutung, kann nur von Unten kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise der Delegation aus Mexiko kann daf\u00fcr ein Puzzlestein sein, die K\u00e4mpfe der VerteidigerInnen des Wassers und Landes in Europa sichtbar zu machen, mit jenen des Europas von Unten zu verbinden um gemeinsam f\u00fcr eine neue, bessere Welt zu k\u00e4mpfen. Samir wird in den Tagen ihres Besuches nicht mehr unter ihnen sein, aber sein Geist lebt in den Herzen und in den K\u00e4mpfen seiner \u201eCompas\u201c weiter und wird sie auf ihrer Reise um die Welt begleiten. \u00a1Samir vive!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fr\u00fcher Morgen am 20. 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